Bürgermeister Olaf Scholz zu Besuch bei FLUCHTort Hamburg Plus

Am 22. März 2012 empfing FLUCHTort Hamburg Plus sowie das Hamburger Netzwerk Chancen für Flüchtlinge einen besonderen Gast.

Der Besuch von Olaf Scholz, dem Ersten Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, ist ein deutliches Signal, dass Hamburg an einer nachhaltigen gesellschaftlichen Integration von Flüchtlingen interessiert ist. Das Treffen gab beiden Netzwerken die Möglichkeit ihre Arbeit vorzustellen mit all ihren Erfolgen, aber vor allem auch

Hürden und diese mit dem Bürgermeister zu diskutieren. Wir haben Erwartungen und Wünsche an die Hamburger Politik formuliert. Die Projektpartner nutzen die Gelegenheit des persönlichen Gesprächs, um ihre Arbeitsschwerpunkte zu schildern und über ihre Schwierigkeiten zu berichten. Insbesondere ging es um die Themen „Hürden beim Zugang zu Arbeit und Qualifizierung“, und „Folgeregelung für das ausgelaufene Bleiberecht“.

Mahamane Diarra, Mitarbeiter eines Teilprojekts von FLUCHTort bei inab GmbH, berichtet von den typischen Hürden bei der Vermittlung von erwachsenen Flüchtllingen. Nicht alle Betroffenen haben aufgrund ihres Status Anspruch auf Vermittlung oder Qualifizierung (Bildungsgutschein) durch die Arbeitsagentur

bzw. Jobcenter. Doch auch für diejenigen, die faktisch einen Anspruch haben und persönlich gute Voraussetzungen mitbringen, ist es häufig sehr schwierig. „Wir schaffen es nur selten, die Mitarbeiter von Arbeitsagentur und Jobcenter zur Vergabe von Bildungsgutscheinen zu überzeugen“, so Mahamane Diarra.

Liridon Rogova, gebürtiger Kosovare kann endlich seine Ausbildung bei der Hamburger Swissport zur Fachkraft

Lagerlogistik machen. Dass der Ausbildungsvertrag unterzeichnet

werden konnte, verdankt er nur seinem Engagement, der Hartnäckigkeit seines Ausbilders sowie des sie betreuenden Projekts Chancen für Flüchtlinge von basis&woge e.V. Der von ihm als Flüchtling benötigten Arbeitserlaubnis wurde erst nach einer dreimonatigen Odyssee durch den Behördendschungel zugestimmt.

 

 

 

 

 

Arewik Karapetian hat ihre Ausbildung zur Fachkraft im Gastgewerbe mit sehr guten Noten beendet und wurde von ihrem Ausbilder übernommen.v„Ich bin jetzt frei“, sagt sie und strahlt. Daran war bis vor fünf Jahren nicht zu denken. Obwohl sie und ihr Bruder von klein auf in Hamburg lebten und hier die Schule besuchten, wurde der Familie die Abschiebung angedroht.

Sie hatten Glück, dass sich bald darauf die Gesetzeslage änderte. Bahram Habib, Mitarbeiter eines Teilprojekts von FLUCHTort bei der ASM e.V. , informierte sie über die Möglichkeit trotz Duldung, eine Ausbildung absolvieren zu können, die ihren Aufenthalt sichern würde. Er half ihr auch, die Ausbildungsstelle im Casa Ferraro zu finden.

Olaf Scholz sicherte in vielen benannten Punkten seine Unterstützung zu. Der Besuch des Bürgermeisters im Netzwerk soll auch nicht das letzte Zusammentreffen sein. Er nimmt den Vorschlag der FLUCHTort-Koordinatorin Maren Gag auf, eine öffentlichkeitswirksame Veranstaltung zusammen mit FLUCHTort durchzuführen. „Wir müssen unsere Botschaft nach außen transportieren“, so Maren Gag. „Wir brauchen mehr mutige und engagierte Arbeitgeber, die bereit sind, Flüchtlinge auszubilden.“ Der Bürgermeister betont seine Absicht, Flüchtlingen und Bleibeberechtigten, die sich in Schule, Ausbildung oder Arbeit integrieren, eine Perspektive in Hamburg zu bieten. Das entspricht auch seinen Vorstellungen von einem vernünftigen Bleiberecht.

 

Fotos: Nils von Blanc