Fachveranstaltung: Beratung von Menschen mit einer Behinderung im Kontext von Migration und Flucht

Am 30.05.2018 hat die passage gGmbH als Leitung des Netzwerkverbundes FLUCHTort Hamburg 5.0 gemeinsam mit dem Diakonischen Werk Hamburg eine Fachveranstaltung durchgeführt. Im Mittelpunkt stand die Vorstellung des von Maren Gag & Dr. Barbara Weiser (Caritasverband für die Diözese Osnabrück) erstellten „Leitfadens zur Beratung von Menschen mit einer Behinderung im Kontext von Migration und Flucht – Rechtliche Rahmenbedingungen beim Zugang zu Sozialleistungen“.

Präsentation

Die Veranstaltung wurde eingeleitet durch ein Grußwort des Geschäftsstellenleiters bei der Senatskoordinatorin für die Gleichstellung behinderter Menschen. Herr Klaus Becker verwies auf die Notwendigkeit zur Entwicklung inklusiver Praxis in den diversen Einrichtungen und öffentlichen Stellen und erläuterte die Aktivitäten Bemühungen des Inklusionsbüros zur Unterstützung der Multiplikator/innen sowie der Ehrenamtlichen, die Migrant/innen und Geflüchtete betreuen. In dem Fachvortrag präsentierten die Autorinnen der Arbeitshilfe, wie sie in ihrer Praxis auf den Mangel an Wissen und Beratungsmaterial gestoßen sind und welche Bedarfe insbesondere Geflüchtete aufgrund ihrer prekären Lebenslage haben. An exemplarischen Beispielen wurde das  Spektrum der Sozialleistungen für Menschen mit einer Behinderung sowie die entsprechenden Anspruchsvoraussetzungen näher beleuchtet, die sich aus dem jeweiligen Aufenthaltsstatus, ihrer Aufenthaltsdauer sowie ihrem Bezug von Leistungen zur Deckung ihres Lebensunterhalts ergeben. 

Rund 100 Teilnehmende aus den Arbeitsfeldern Behinderung/Inklusion sowie Migration und Flucht haben bei der Veranstaltung über Möglichkeiten und Grenzen in der Beratungspraxis diskutiert, Lücken in der Landschaft der Angebote zur weitergehenden Betreuung und Bildung aufgezeigt sowie dringliche Bedarfe zur Teilhabe der Betroffenen angemahnt: Diagnostik, mehr Transparenz über Angebotsstruktur und Schaffung weiterer Bildungsangebote für Betroffene, nicht nur für Jugendliche, sondern auch Erwachsene,  mehr Fortbildung und Vernetzung für Akteure. Betont wurde in der Diskussion auch die bestehende Versäulung der verschiedenen Fachressorts, d.h. Behörden, Verbände sowie Beratungsstellen, die sich künftig mehr aufeinander zu bewegen müssten, um voneinander zu lernen und stärker zu kooperieren.

Das Ziel einer intersektionellen Zusammenarbeit wurde auch von Herrn Anselm Sprandel vom Zentralen Koordinierungsstab Flüchtlinge (ZKF) der Freien und Hansestadt Hamburg unterstrichen, der seine Stelle als Unterstützungsinstanz für dieses Thema sieht und dazu beiträgt, die Angebotspallette zu erweitern und die interkulturellen Öffnungsprozesse in den verschiedenen Ressorts im Rahmen des bestehenden Regelsystems zu befördern. Herr Sprandel verwies dabei auf Verbesserungen, die bereits eingeleitet wurden: z.B. den Dolmetscherpool in den Unterkünften, spezifische Integrationskurse sowie Aktivitäten im Dialogforum „Geflüchtete mit einer Behinderung“ und er begrüßte, dass mit dem Beratungsleitfaden nun ein profundes Arbeitsinstrument zur Verfügung steht, das dazu beiträgt, die Betroffenen bei der Durchsetzung ihrer Rechte zu unterstützen. Eine konkrete Verabredung wurde am Ende des Fachtages getroffen: Das Diakonische Werk wird in Kooperation mit dem ZKF eine Übersicht mit den aktuellen Angeboten in Hamburg erstellen und veröffentlichen. 

Ergänzung (25. Juni 2018): Gesetzliche Änderungen im Bundesteilhabegesetz - Nachbesserungsbedarf!